Ich erahne das Alter, welches ich erreichen werde. Die Aufgabe kam auf mich zu, da ich neuerdings immer öfter verunsichert in meiner Selbstwahrnehmung schwanke, wenn mich jemand fragt, wie alt ich sei: die Antwort kann 14, 48 oder 90 sein. Irgendwo dazwischen befindet sich die von der Alltagswelt bestimmte Angabe, berechnet aus Geburtsjahr plus bisher zurückgelegter Lebensspanne.
So habe ich erneut eine eigene Art der Mathematik zu Rate gezogen und meine Altersangabe aus der Anzahl an Monaten in unserem Gregorianischen Kalender und meiner Verweildauer in Jahren in jedem Monat berechnet.
Ich bin Ende September, im Übergang zu Oktober. Es hat lange gedauert, dies zu erkennen und mich damit abzufinden. Magisch zogen mich in letzter Zeit Menschen an, die ebenfalls Oktober oder auch älter – November, Dezember – sind. Von ihnen erhoffte ich zu erfahren, wie ich mit diesem Ankommen im Herbst des Lebens umgehen kann. Keiner von ihnen tat es mir kund, so war klar, dass jeder seinen eigenen Weg geht und das Durchschreiten der Portale zu den Jahreszeiten des Lebens selber gestaltet.
Froh, endlich die quälenden Ausläufer des Sommers, die letzten Zeitströme des Augusts mit Hitze und sich überrollenden Wellen von Gefühlen hinter mir gelassen zu haben, im September die Stille verinnerlicht zu haben, öffne ich nun weit meine Arme und sage: „Willkommen Oktober, ich freue mich darauf, was du mit dir bringst.“
Wäre es nicht wunderschön, meine Äpfel zu ernten und selber golden zu werden?
CHi – 24.04.2026; inspiriert von Hildegard von Bingen















