Ich bin

Ich bin frei, frei,
frei wie der Wind,
der das Blatt bewegt.

Ich bin laut, laut,
laut wie das Gewitter
im Tal.

Ich bin weich, weich,
weich wie die Welle
im Meer.

Ich bin warm, warm,
warm wie das Sandkorn
am Strand.

Ich bin hier, hier,
hier im Moment,
bei mir.

CHi – 28.04.2026

Abb.:
1. Leonard Richards@Pexels
2. Christian Koezle
3. NinJason1@Magnific
4. Collage unter Verwendung eines Motivs von maria-korniiova@unsplash
5. CHi

Lass uns ein Glas Wasser füreinander sein

Ich wache auf, liege unbewegt auf der linken Seite. Mein Blick fällt auf das halbgefüllte Glas Wasser auf dem kleinen Ausklapptisch. Beschienen vom Mondlicht steht es da, das Glas, genauso reglos wie ich.

Der Mond hat mich und das Wasser aufgeweckt, es scheint zu mir zu sprechen:
„Ich bin klar, rein, still. Ich nähre dich. Nimm mich dankbar wahr und stell dir vor, daß es mir ähnlich geht wie deiner Seele. Das Glas ist für mich eine Zeitlang das Gefäß, das mich hält, so wie dein Körper in diesem Leben die Form deiner Seele ist. Glas und Körper vergehen, jeden Moment, jede Minute, jede Sekunde verlieren sie an Substanz.

Wasser und Seele dagegen beleben, sind in andauernder Wandlung und unsterblich.

So nutze die Spanne deines Lebens, um gesammelte Erfahrungen deiner Seele und die daraus gewonnenen Erkenntnisse zu teilen.“

Ich schließe meine Augen, atme aus und bleibe ruhig.

CHi – 22.04.2026

Johannas Wasser

Zustimmung zum Mangel

Heute schreibe ich über einen von vielen Entwicklungsschritten, der auf dem holprigen Weg der persönlichen Entwicklung passiert. Vielleicht ein Schritt in Richtung transpersonale Entwicklung – wer weiss.

Schon immer scheint mich das Bild der Spirale fasziniert und begleitet zu haben. In der Collage sieht man:
Oben: Drahtspirale, die aus der Unruh eines von mir während der Kindheit zerlegten Weckers stammt
Mitte: per Fotokopierer vergrößerter Abdruck einer Lakritzschnecke
Unten: originale Lakritzschnecke aus den 80er Jahren, gut verpackt

Vor einigen Jahren nahm meine Beschäftigung mit dem Thema Spirale wieder Fahrt auf, durch damals als schmerzhaft empfundene Erfahrungen. Wie alle Säugetiere trage ich im Innenohr ein spiralförmiges Organ, die Hörschnecke, auch Cochlea genannt. Bei mir führen beschädigte Nervenzellen innerhalb dieser Hörschnecke zu einer Schallempfindungsschwerhörigkeit.

In dieser Abbildung (macrovector@freepik) mit dem Bildnamen „Hearing Impairment“ sind unten die beschädigten Nervenzellen dargestellt – dies ist ein gutes Bild, um sich vorzustellen wie ich höre, was ich oft verstehe. Kauderwelsch.

Und so geht es weiter, ich treffe auf das Thema Mangel. Ich habe in dem Buch „Was heilt uns?“ (Hg. Michael Seitlinger) eine schöne Passage des Autors Richard Stiegler gefunden, die ich gerne zitieren möchte:
„Eine Person, die besetzt ist von unerfüllten Bedürfnissen, muss auf der personalen Ebene lernen, zu eigenen Bedürfnissen zu stehen, aber im transpersonalen Entwicklungsschritt muss sie letztlich die Vorstellung aufgeben, dass Bedürfnisse gestillt werden müssen, um Erfüllung zu erlangen. Es ist also eine Zustimmung zum Mangel notwendig. Erst dann kann die Person ohne Vorliebe und vollkommen annehmend den Mangel beobachten. Je tiefer sie ins Beobachten selbst eintaucht, desto stärker entfaltet sich eine Präsenz in ihr, die keine Unerfülltheit kennt. Denn äußerer Mangel genauso wie äußere Befriedigung spiegeln sich im Bewusstsein, aber berühren es nicht.“

So habe ich beobachtet und beobachte noch. Die Spirale tauchte immer wieder auf, z. B. bin ich auf YouTube über eine wunderbare, inhaltsvolle, farbige Spirale gestolpert. Sie wurde im Hintergrund während der Rede des bolivianischen Vizepräsidenten David Choquehuanca zum Amtsantritt am 8. November 2020 als Animation eingeblendet.

Screenshot der Animation; Urheber: Sam Brown, in New Mexico ansässiger Künstler

Ich beobachtete weiter, dass Farben – und plötzlich auch Worte, überhaupt „Ausdruck“ in meinem Leben eine grosse Rolle spielt. Kreativität bricht schubweise aus. Zunächst im Zeichnen, dann auch im Schreiben und vereinzelt im Steinmetzen und Malen.

„Feinfühligkeitsschnecke“, November 2020
„Der Ausweg“, April 2023 und „Meine Farben“, April 2024

Im Laufe der Zeit wandelt sich, gefühlt schneckenlangsam, meine Einstellung. Mein empfundener Mangel eröffnet mir eine Fülle, um auf das obige Zitat zurückzukommen:
Er-füllung.

Weiter geht´s.
Abb.: megs harrison@unsplash

Flucht & Fortschritt

„Through the Windscreen“; Holzstich von Gertrude Hermes; 1929

Morgen fällt der Startschuss. Ich reise, allein, mit meinem kleinen Koffer und Tagesrucksack. Das Nötigste ist verstaut, die Gastgeschenke ausgewählt.

Ich wünsche mir eine gute Reise und hoffe, dass die Apfelbäume am Reiseziel schon blühen.

Zurück in die Zukunft

„Die Geschichte meines Herzens beginnt vor siebzehn Jahren. Im Glanz der Jugend gab es hin und wieder Momente, in denen ich das Bedürfnis nach einer starken Inspiration durch seelische Gedanken verspürte. Mein Herz war verstaubt, ausgedörrt aus Mangel an dem Regen tiefer Gefühle; mein Geist war karg und trocken, denn es gibt einen Staub, der sich auf dem Herzen absetzt, ebenso wie der, der auf einem Felsvorsprung liegt. Es schadet dem Geist ebenso wie dem Körper, immer an einem Ort zu sein und immer von denselben Umständen umgeben zu sein. Eine Art dicker Kleidung wächst langsam um den Geist herum, die Poren werden verstopft, kleine Gewohnheiten werden Teil des Daseins, und nach und nach wird der Geist in eine Hülle eingeschlossen. Als sich dies zu bilden begann, verspürte ich das dringende Verlangen, dem zu entfliehen, es wie schwere Kleidung abzuschütteln, um noch einmal tief aus den frischen Quellen des Lebens zu trinken. Ein Hauch – ein langer, tiefer Atemzug der reinen Luft des Denkens – konnte allein dem Herzen Gesundheit schenken.“
Richard Jefferies (1848 – 1887) in: The Story of my Heart

Genau so fühlt es sich gerade an, meine Geschichte begann allerdings vor 9 Jahren.
Ich danke mir für meine Intuition auf dem Weg und Werner A. Krebber für die Inspiration, das obige Zitat.

So geht es Montag auf die Reise mit dem Buch „Die Geschichte meines Herzen“.

Im April lockt die Natur

Hoffen wir, dass uns das April-Wetter erlaubt, die Natur aufzusuchen. Was könnte schöner sein?