Zurück in die Zukunft

„Die Geschichte meines Herzens beginnt vor siebzehn Jahren. Im Glanz der Jugend gab es hin und wieder Momente, in denen ich das Bedürfnis nach einer starken Inspiration durch seelische Gedanken verspürte. Mein Herz war verstaubt, ausgedörrt aus Mangel an dem Regen tiefer Gefühle; mein Geist war karg und trocken, denn es gibt einen Staub, der sich auf dem Herzen absetzt, ebenso wie der, der auf einem Felsvorsprung liegt. Es schadet dem Geist ebenso wie dem Körper, immer an einem Ort zu sein und immer von denselben Umständen umgeben zu sein. Eine Art dicker Kleidung wächst langsam um den Geist herum, die Poren werden verstopft, kleine Gewohnheiten werden Teil des Daseins, und nach und nach wird der Geist in eine Hülle eingeschlossen. Als sich dies zu bilden begann, verspürte ich das dringende Verlangen, dem zu entfliehen, es wie schwere Kleidung abzuschütteln, um noch einmal tief aus den frischen Quellen des Lebens zu trinken. Ein Hauch – ein langer, tiefer Atemzug der reinen Luft des Denkens – konnte allein dem Herzen Gesundheit schenken.“
Richard Jefferies (1848 – 1887) in: The Story of my Heart

Genau so fühlt es sich gerade an, meine Geschichte begann allerdings vor 9 Jahren.
Ich danke mir für meine Intuition auf dem Weg und Werner A. Krebber für die Inspiration, das obige Zitat.

So geht es Montag auf die Reise mit dem Buch „Die Geschichte meines Herzen“.

Metamorphosen

Gestern, als ich meine Geschichte „Der Brunnen“ aus meiner Sammlung in diesen Blog einfügte, merkte ich, daß am Anfang etwas verändert werden wollte. Etwas passte nicht.

So nehme ich zur Kenntnis, daß sich die Texte, während sie im digitalen Ordner vor sich hinschlummern, umgestalten. Sie atmen in ihrem Dornröschenschlaf und leben und warten und werden aufgeweckt.

Bei anderen Geschichten sitze ich vis-à-vis vor dem Bildschirm, der einem Spiegel gleich das Erzählte vor mir zeigt. Ich lese es nochmals neu und ich frage es:

Wie konnte ich das schreiben?
Wie konnte ich das schreiben?
Wie konnte ich das schreiben?
Wie konnte ich das schreiben?
Wie konnte ich das schreiben?

Die Antwort: Es schreibt mich.

Abb.: Gertrud Boernieck,
fotografiert im Deutschen Märchen- und Wesersagenmuseum

Und jetzt wird es abenteuerlich: nachdem ich den textlichen Teil des Blogbeitrages fertig habe folgt meistens erst dann die Kür, das Aussuchen des passenden Bildes. Entweder habe ich etwas vor Augen, dann schaue ich gezielt in meiner Ablage. Oder – ich rausche durch die Sammlung auf meinem iPhone. Es ist ja alles da.

Ein Bild passte ganz gut, aber ich schaute weiter. Und da war es. Beim Einfügen kam dann der Ahh-Moment.

Es trägt den Titel Dornröschen.

Püppi auf Reisen

Im September 2024 habe ich nach mehrjähriger Pause – passiert eben im Leben einfach so – meiner Freundin aus Kindheitstagen mit einer digitalen Nachricht zum Geburtstag gratuliert. Solche Daten gehen nicht verloren, trotz der Pausen.

Als Antwort kam die Nachricht, daß sie sehr krank sei, schon seit zwei Monaten. Wir beide haben als Teenager sehr viel, wirklich viel, unnütze Zeit zusammen verbracht. Mir war nach einem Spaziergang sofort klar, daß ich sie besuchen will. Soweit möglich.

War möglich. Ich bin in meinem Leben öfters umgezogen, da räumt man auf und durch. Manches behält man aus Sentimentalität, wegen des Wertes oder der Nützlichkeit. Ich habe immer viel gebastelt und gewerkelt, es gab eine Serie von drei knapp daumengroßen Püppchen mit den Haarfarben dunkelbraun, rot und blond. Wenn ich mich recht erinnere habe ich sie meinen besten drei Freundinnen gewidmet. Es gibt nur noch das blonde Püppchen, und meine nun kranke Freundin hatte mich irgendwann mal daran erinnert. Ich hatte es fast vergessen.

Ganz klar, das blonde Püppi hatte nach 47 Jahren seinen Bestimmungsort gefunden. Beim Besuch haben wir, als Püppi aus der Verpackung erlöst war, zusammen geweint.

Wie schön, meine Freundin hat die Krankheit überstanden.

Püppi lebt jetzt im Nachbardorf ihrer Entstehung 🙂

(K)ein Strickschal

Weil ich Farben liebe und im Arbeitsalltag vermisste, kaufte ich mir Regenbogenwolle. Was daraus werden sollte wusste ich beim Kauf noch nicht. Eine Häkelanleitung weckte mein Interesse, also sollte es ein Häkelschal werden.

Begonnen habe ich im März 2025. Manchmal, dann seltener, reihte sich eine Bogenmaschenreihe dazu. Vor einigen Tagen traf ich auf die 5-jährige Nichte, von lebhaftem und lautem, oft sich widersetzendem Wesen. Am Tisch rückte sie plötzlich nah zu mir heran und flüsterte in mein rechtes Ohr: „Corinna, schenkst du mir einen Strickschal zum Geburtstag?“

Zuhause begann ich mit der Fertigstellung des Häkelschals – manchmal sind die Dinge einfach da.

Es bleibt die Frage, ob das Kind Häkeln von Stricken unterscheiden kann.

Ein Bild-Video über Elisabeth Kübler Ross

In einem Beitrag über Elisabeth Kübler-Ross auf YouTube, der „Isolation“ im Titel führte, haben mich mehrere Aussagen zum „genau“ oder „ach so ist das“ ausrufen gebracht.


„Einsamkeit, leben unter einer unsichtbaren Glocke, spirituelle Quarantäne, Transformation, Frequenzausrichtung, Raum schaffen, psychospiritueller Tod, Trauer, Jahre des Funktionierens, Häutung, Selbstbegegnung, Coconzustand, Sille, Intuition, Flüstern der Seele, Leere, Alleinsein, Gnade, Seelenvereinbarungen, Schmerz, nackt und verwundbar sein.
– Stille, die keine Leere ist.
– Zeit in Isolation ist keine Verschwendung.
– Isolation ist die Geburt meines authentischen Lebens.
– Einsamkeit trainiert mich in der Kunst meine eigene beste Gesellschaft zu sein.“


So höre ich nun auf die leise Stimme meiner Seele, denn so habe ich meine Blog ja genannt. Erstaunlich.

Schlange 2018
Transformation 2020
Stille 2025