Da ist doch irgendetwas passiert. Mit dem Gehirn, den Hormonen, mit Geist und Seele, mit dem Gleichgewicht. Anfangs Angst, Hitze, Nebel und Fragen über Fragen. Die Gefühle überrollten Denken und Bewusstsein.
Dann die Suche nach einem, wie es mir vorkam, Stoff, der fehlt.
So scannte ich mich durchs Internet, lief durch den Wald, machte Heilbehandlungen, Yoga, Meditationen, liess verletzende Erinnerungen zu, stellte mich auf, tanzte mit verbundenen Augen.
Wegen der Angst lernte ich die Amygdala kennen, auch Mandelkern genannt. Sie ist Bestandteil des limbischen Systems und primär für die Entstehung und Verarbeitung von Emotionen (besonders Angst und Aggression) sowie die Gefahrenbewertung und das Erkennen von sozialen Signalen zuständig. Hm, also meditierte ich mit der Angst und atmete.
Dann las ich einen faszinierenden Artikel über Religion und Hirnforschung, der das periaquäduktale Grau als die Struktur im Gehirn nennt, in der die Spiritualität beheimatet ist/sein könnte. Da horche ich doch auf, denn, KI sagt:
Das periaquäduktale Grau (kurz PAG; auch zentrales Höhlengrau) ist eine wichtige Nervenzellenstruktur im Mittelhirn, es ist eine zentrale Schaltstelle für elementare Überlebensfunktionen, Emotionen und Schmerzverarbeitung. Es steuert vegetative Reaktionen wie Herz-Kreislauf-Veränderungen, Starre oder Flucht bei Bedrohung.
Es ist eng mit dem limbischen System vernetzt und moduliert so affektives Verhalten und emotionale Reaktionen.

Illustration: Henry Vandyke Carter
AHA!
PAG und Amygdala sind also eng miteinander verwoben – wenn die Amygdala eine Gefahr erkennt, sendet sie Signale direkt an das zentrale Höhlengrau (die „Low Road“). Dieser Weg umgeht das bewusste Denken, um blitzschnell körperliche Reaktionen auszulösen. Das Höhlengrau entscheidet dann reflexartig über die passende Überlebensstrategie (z.B. Erstarren oder Wegrennen).
Nachdem ich das jetzt teilweise erfasst habe, möchte ich gerne auf der „High Road“ (hoher Weg) weitergehen. Dies ist der bewusste, langsamere Pfad, bei dem die Reize erst zur bewussten Bewertung an die Großhirnrinde (den Cortex) geschickt werden. Erst hier korrigieren wir unsere erste impulsive Reaktion.
Garnicht einfach.
Der Deckel
Dann ging es weiter mit dem Gehirn und AHA-Erlebnissen. Ich schaute die Dokumentation „Hayao Miyazaki und der Reiher“. Der Film begleitet über 7 Jahre die Entstehung des Films „Der Junge und der Reiher“ in dem es um Themen wie das Ringen mit der eigenen Sterblichkeit und Hingabe an die Kunst geht.
Einige Zitate liessen mich Mund und Augen aufsperren.

Miyazaki: Wenn ich Geschichten erschaffe, ist das kein intellektueller Akt. Mein Hirndeckel geht auf. Ideen strömen an die Oberfläche, aus einem verworrenen, unergründlichen Teil meines Bewusstseins. Im Gehirn, im Gehirn gibt es eine verborgenen, primitive Schicht, das Reptiliengehirn, das seht aggressiv ist. Im sozialen Gefüge muss es kontrolliert werden. man muss verrückt sein, um den Deckel dieses tiefen Gehirnteils zu öffnen. Das macht es schwer, in den Alltag zurückzukehren. Einem wird fast alles egal.

Ich, Chi: Diese Skizze zeigt, wie ich in einigen Meditationen die Empfindung hatte, als wenn Worte, Farben und Bilder einströmen. Einige dieser Eindrücke habe ich in diesem Blog in Texten und Bildern zum Ausdruck gebracht.
Dann kreuzte eine schwedische Künstlerin, Hilma af Klint, meinen Weg. Ich besuchte 2024 die Ausstellung mit dem Motto „Träume von der Zukunft” in Düsseldorf.
Dort hatte ich bei Betrachtung von zwei Skizzen aus dem Jahr 1919 ein weiteres AHA-Erlebnis, so passend zum Themen-Komplex Gehirn/Kreativität/Spiritualität kamen mir die Zeichnungen vor.

Etwas strömt ein.
Die Brücke
In vielen meiner Zeichnungen spielt der Regenbogen eine Rolle. Ich sehe ihn als eine Brücke, die mich mit einer Quelle verbindet.
Zum Ende meiner Geschichte „Der Zugang“, die den Abschluss der Reihe „Der Weg“ bildet, betritt die Hauptprotagonisten eine Regnbogenbrücke, um zu einem Portal zu gelangen.
In meiner Sammelbox alter Erinnerungsstücke befindet sich eine digitale Illustration, die ich wohl in den 90er Jahren angefertigt habe – eine Brücke in strömendem Wasser.

Adobe-Illustrator-Übung, damals ohne Titel
Der Weg
Und nun, was mache ich mit all dem? Wie passt das zusammen, was hat das mit meinem Gehirn zu tun?
Wenn ich forsche, finde ich folgendes:
Die Struktur, die den 3. und 4. Hirnventrikel miteinander verbindet, ist der Aquaeductus cerebri.
Ich/ Chi: (Also eine wasserführende Brücke – ein Aquädukt.)
Er ist ein schmaler, flüssigkeitsgefüllter Kanal, durch den der Liquor fließt.
Der Aquädukt ist vollständig vom PAG umgeben.
Die Zirbeldrüse (Epiphyse) liegt im Verhältnis dazu weiter oben und hinten, genaugenommen am hinteren Dach des 3. Ventrikels.
Ich/ Chi: Da liegt also eine wasserführende Brücke mitten im PAG, das zusammen als Team mit der Amygdala bei Furcht und Bedrohung körperliche Reaktionen, bzw. die Entscheidung dafür, steuert. Die Zirbeldrüse (3. Auge) ist auch nicht weit entfernt und so ganz nebenbei könnte im PAG auch der Sitz der Spiritualität sein.
AHA.
Punkt.
Erkenntnis: Der Stoff, der fehlt, ist das Ausleben meiner Kreativität, mein Ausdruck. Die Geschichten, Texte, Farben, Zeichnungen und Bilder sind für mich lebensnotwendig, wie Wasser und Nahrung. Und so ist Input zu mir gekommen, über einen mir bis dato unbekannten Weg, diese Gabe gehört zu mir, ich darf sie dankbar und selbstverständlich annehmen.

Leonardo da Vinci



