Heute schreibe ich über einen von vielen Entwicklungsschritten, der auf dem holprigen Weg der persönlichen Entwicklung passiert. Vielleicht ein Schritt in Richtung transpersonale Entwicklung – wer weiss.

Schon immer scheint mich das Bild der Spirale fasziniert und begleitet zu haben. In der Collage sieht man:
Oben: Drahtspirale, die aus der Unruh eines von mir während der Kindheit zerlegten Weckers stammt
Mitte: per Fotokopierer vergrößerter Abdruck einer Lakritzschnecke
Unten: originale Lakritzschnecke aus den 80er Jahren, gut verpackt
Vor einigen Jahren nahm meine Beschäftigung mit dem Thema Spirale wieder Fahrt auf, durch damals als schmerzhaft empfundene Erfahrungen. Wie alle Säugetiere trage ich im Innenohr ein spiralförmiges Organ, die Hörschnecke, auch Cochlea genannt. Bei mir führen beschädigte Nervenzellen innerhalb dieser Hörschnecke zu einer Schallempfindungsschwerhörigkeit.
In dieser Abbildung (macrovector@freepik) mit dem Bildnamen „Hearing Impairment“ sind unten die beschädigten Nervenzellen dargestellt – dies ist ein gutes Bild, um sich vorzustellen wie ich höre, was ich oft verstehe. Kauderwelsch.
Und so geht es weiter, ich treffe auf das Thema Mangel. Ich habe in dem Buch „Was heilt uns?“ (Hg. Michael Seitlinger) eine schöne Passage des Autors Richard Stiegler gefunden, die ich gerne zitieren möchte:
„Eine Person, die besetzt ist von unerfüllten Bedürfnissen, muss auf der personalen Ebene lernen, zu eigenen Bedürfnissen zu stehen, aber im transpersonalen Entwicklungsschritt muss sie letztlich die Vorstellung aufgeben, dass Bedürfnisse gestillt werden müssen, um Erfüllung zu erlangen. Es ist also eine Zustimmung zum Mangel notwendig. Erst dann kann die Person ohne Vorliebe und vollkommen annehmend den Mangel beobachten. Je tiefer sie ins Beobachten selbst eintaucht, desto stärker entfaltet sich eine Präsenz in ihr, die keine Unerfülltheit kennt. Denn äußerer Mangel genauso wie äußere Befriedigung spiegeln sich im Bewusstsein, aber berühren es nicht.“
So habe ich beobachtet und beobachte noch. Die Spirale tauchte immer wieder auf, z. B. bin ich auf YouTube über eine wunderbare, inhaltsvolle, farbige Spirale gestolpert. Sie wurde im Hintergrund während der Rede des bolivianischen Vizepräsidenten David Choquehuanca zum Amtsantritt am 8. November 2020 als Animation eingeblendet.

Ich beobachtete weiter, dass Farben – und plötzlich auch Worte, überhaupt „Ausdruck“ in meinem Leben eine grosse Rolle spielt. Kreativität bricht schubweise aus. Zunächst im Zeichnen, dann auch im Schreiben und vereinzelt im Steinmetzen und Malen.


Im Laufe der Zeit wandelt sich, gefühlt schneckenlangsam, meine Einstellung. Mein empfundener Mangel eröffnet mir eine Fülle, um auf das obige Zitat zurückzukommen:
Er-füllung.

Abb.: megs harrison@unsplash










