Als ich klein war, las ich im Märchenbuch den Satz: „der Wind, der Wind, das himmlische Kind“. Der Wind kam zu mir, ich hörte ihn, als ich einen Helfer brauchte, er hat sich mir unter verschiedenen Namen vorgestellt: Da war der Kastanienwind, der im Sommerurlaub beruhigend und kräftig durch die Bäume vorm Fenster rauschte. Er versprach Sicherheit und guten Schlaf, Kühle und Schutz. Bei meinen Spaziergängen im Heimatwohnort wünscht der Erlenwind, jedesmal, wenn ich an der Biegung meinen Weg gehe, erhaben einen guten Tag. Er raschelt hoch oben und flüstert von Geheimnissen, die er nicht preisgibt. Deswegen zieht es mich magisch an, bei ihm vorbeizuschauen, vielleicht verplappert er sich eines Tages doch und ich werde in eine seiner Heimlichkeiten eingeweiht.
An meinem Lieblingsplatz am Waldrand gibt es für eine kurze Zeit im Jahr den Maisfeldwind, der hart und leicht hölzern klingt, als wenn er mich warnen will, daß sich andere Menschen nähern, die mich bei meiner Meditation stören.
Der hauseigene Rotbuchenwind ist ein guter Freund, tagsüber und manchmal auch nachts. Er war da, als ich ihn dringend brauchte, in den Nächten des schlechten Schlafes und Hitze, die im Körper brannte. Wenn es mich dann ins Freie trieb, wogte und wiegte der Wind beruhigend in den Ästen der großen Buche und gab mir Hoffnung und Vertrauen ins Zuhören.
So ist der Wind für mich ein himmlischer Beistand, und ich weiß, er ist immer für mich da, solange er etwas bewegen kann.
CHi – 20.07.2020


