Ich wache auf, liege unbewegt auf der linken Seite. Mein Blick fällt auf das halbgefüllte Glas Wasser auf dem kleinen Ausklapptisch. Beschienen vom Mondlicht steht es da, das Glas, genauso reglos wie ich.
Der Mond hat mich und das Wasser aufgeweckt, es scheint zu mir zu sprechen:
„Ich bin klar, rein, still. Ich nähre dich. Nimm mich dankbar wahr und stell dir vor, daß es mir ähnlich geht wie deiner Seele. Das Glas ist für mich eine Zeitlang das Gefäß, das mich hält, so wie dein Körper in diesem Leben die Form deiner Seele ist. Glas und Körper vergehen, jeden Moment, jede Minute, jede Sekunde verlieren sie an Substanz.
Wasser und Seele dagegen beleben, sind in andauernder Wandlung und unsterblich.
So nutze die Spanne deines Lebens, um gesammelte Erfahrungen deiner Seele und die daraus gewonnenen Erkenntnisse zu teilen.“
Ich schließe meine Augen, atme aus und bleibe ruhig.
CHi – 22.04.2026


